Ausstellungen | »Unterwelten & Oberflächen«

Unterwelten & Oberflächen

Sadziak, Magdalena
Schulze, Marina
Was wir auf den ersten Blick bei dem Werk von der 1976 in Warsaw/ Polen geborenen Magdalena Sadziak wahrnehmen, ist die abstrakte Oberfläche. Diese zarte Oberfläche zeigt pastellfarbene kühle Töne, die sanft in einander schwimmen und sich miteinander auflösen, die so leicht und freischwebend wirken wie es nur Naturphänomene können, so ohne Regeln und Gesetze, dass sie Freiraum schaffen für die eigenen Tagträume, sich selbst zu verlieren in diesem zarten Kosmos.

Doch bei dieser friedvollen Ruhe bleibt es nicht. Spannungsvoll inszeniert Sadziak auf ihrer pastell-leichten Oberfläche tönerne Unterwelten. Wie der erweckender Ton aus der von Joseph Haydn komponierten Sinfonie Nr 94, auch besser bekannt als „Paukenschlagsinfonie“, uns zurückholt in die Gegenwart, heben sich hier schwarze stachelig federnde Kugeln und pastos aufgetragene Farbverläufe deutlich konturiert von der Oberfläche ab, bringen die Farblandschaft ins Schwingen.

Die Musikalität der Bildkomposition lässt das Bild klingen und macht es für den Betrachter hörbar und intuitiv spürbar, durch die Wiederkehr des Gleichen in unterschiedlichen Abständen und Größen, als auch die naiv verspielte Kreation innovativer Formen.

Sadziak arbeitet mit dem Widerstreit der Kontraste, der Komplementär- und Kalt-Warm-Kontraste, der Farb- und Flächenkontraste, wie ein feuriges Rot auf ein mattes Türkis raumgreifend aufgedrückt wird, wie ein weites leeres Feld als eine langgezogene Atempause hörbar wird. Hier wird die Leinwand, der eigene Atem zum Teil der Bildsprache, der Musikalität. Es ist ein mutiges Bild, da die Künstlerin sich die Freiheit lässt ihre eigene Intuition, ihr musikalisches Kompositionsvermögen spielen zu lassen und ihre eigenen Bildwelten zu schaffen, die immer wieder innovativ und inspirierend sind.

Sadziak wird in der aktuelle Ausstellung „Oberflächen und Unterwelten“ gemeinsam mit der 1973 in Delmenhorst geborenen Marina Schulze gezeigt. Auch hier begegnen wir bewegten Oberflächen. Kleine flächige Farbfelder reihen sich aneinander, sodass sie wie wellende Linien Beweglichkeit assoziieren lassen. Hinter dieser scheinbaren Abstraktion von sanften Farbkontrasten steht jedoch eine präzise Gegenständlichkeit. Marina Schulze zeigt uns Portraits im leichten Profil in einem fokussierten Ausschnitt. Sie fängt die Bewegungslinien des ins Gesicht projetzierten Lichtes auf und lässt somit eine besondere Nähe zum Model entstehen. Es sind Ausschnitte des menschlichen Gesichts, die geheimnisvoll wirken und dennoch auf eine intime Art ehrlich sind. Ein flirrender Farbrausch zieht sich über Gesicht und Haar, lässt eine zweite Bildfläche entstehen, die ein poetisches menschliches Antlitz erschafft.



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