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NEW FACES

Grundhoff, Ulrike
Die Künstlerin Ulrike Grundhoff (geboren 1977) entwickelt ihre Bildkonzepte in einem aktiven kreativen Prozess, der intuitiv und impulsiv zu einer komplexen und spannungsgeladenen Bildwelt führt. Als Inspirationsquelle dienen ihr Fotos von Menschen, denen sie auf ihren fernen Reisen begegnet ist. Dabei stehen die Fotos nicht nur inhaltlich, sondern auch formal, mit Anregungen durch spannende Konturen und Farbflächen, als Inspirationsquelle für ihre großformatigen Papierarbeiten.

Mithilfe von einer spielerisch anmutenden Mischtechnik (aus Acryl, Kreide, Farbstiften, Graffiti, etc.) entstehen Collagen-artige Papierarbeiten. Skizzenhafte Zeichnungen heben sich von der weichen, meist einfarbigen aquarellierten Lasur ab. Diese wird zum Teil geschmückt von einer ornamentalen malerischen Struktur, die das Bild in eine Abstraktion des Abbildhaften führt. Wenn auch gegenständliche Motive zu erkennen sind, bleibt der Bildinhalt in einer provozierenden Schwebe, entführt den Betrachter, wie in einem Traum in eine fremde Welt. So ermöglichen die symbolisch aufgeladenen Bildinhalte, als auch ihre intuitive malerische Geste, vielfältige Deutungen.

Wie in dem von Robert Schumann Anfang des 19 Jahrhunderts komponierten romantischen Stück „Von fremden Ländern und Menschen“ wird auch in den narrativen postmodernen Arbeiten von Grundhoff eine vertiefte künstlerische Auseinandersetzung mit fremden Ländern und Menschen sichtbar. Wie auch in Schumanns Zyklus „Kinderszenen“ werden hier mithilfe von Collagen-artigen Mischtechniken intensive einzelne von sich unabhängige Charakterstücke entworfen.

Gleichzeitig spiegeln die Motive jedoch auch die Tiefen unserer ganz eigenen persönlichen Gefühle wider. Die Fremdheit löst sich dort auf, bleibt nur noch Kontur, wo eine ganz bestimmte Situation, im Anblick einer individuellen Person künstlerisch erzählt wird. Diese Darstellungen erzählen Geschichten über uns selbst, durch den Spiegel eines fremden Menschen aus einem fernen Land. Wenn diese poetischen Bilder auch auf den ersten Blick romantisch wirken, Empfindungen wie Sehnsucht und Geheimnis ausstrahlen, so sind sie doch beim näheren Betrachten ent-romantisierend und postmodern, denn hier steht die autonome, verletzliche als auch starke Person im Vordergrund.

Im Zentrum des Bildes steht jeweils ein Gesicht, welches sich mit klaren, weichen Linien vom Hintergrund abhebt. Begleitet werden diese Menschen von Tierwesen, die symbolisch eine besondere Stimmung spiegeln. Auch von der transparenten und dezenten Farbgebung werden diese Grundemotionen gestützt. Es werden Frauen oder Kinder gezeigt, die sich meist suchend und eindringlich dem Betrachter entgegenstellen, häufig ihren intensiven Blick auf den Betrachter richten. Die Personen werden in einer komplexen Dichotomie gezeigt, sowohl in ihrer zurückhaltenden Verletzlichkeit als auch der sich selbst bewussten eigenen Stärke.

Die Tiermotive unterstützen diese komplementären Emotionen, so wie ein immer wieder auftauchender kleiner Vogel. Mal sitzt er selbstbewusst auf einem Ast, wird jedoch durch eine parallele Überzeichnung verdoppelt und bringt somit auch das Abbild der afrikanischen Frau ins Wanken. („Kanarien“) Diese wendet sich seitwerts vom Betrachter ab, wirft allerdings gleichzeitig eindringlich ihren klaren Blick auf ihn zurück.
Ein anderes Mal hängt der Vogel in dem Bild kopfüber und unterstützt den zurückhaltenden Blick des Kindes, welches seine Finger ineinander verschränkt, sei es nun verspielt oder auch schutzsuchend. („Konso Mädchen“) Das Kind blickt den Betrachter sowohl unsicher als auch fragend herausfordernd an.

Neben den kleinen verletzlichen Vögeln zeigt die Künstlerin jedoch auch Vierbeiner, die eine bedrohliche Stimmung evozieren. Ein goldenes Kalb rückt in dem Bild „Kinderspiel“ bedrohlich in die obere Bildhälfte, linksseitig neben einem kopftuchtragenden Kind, welches zwei Messer in den geballten Händen hält, und setzt flüchtige Assoziationen an warnende Bibelgeschichten frei.

Die Frage, wer hier droht oder bedroht wird, wer Jäger oder Gejagter ist, bleibt jedoch, wie auch in dem Bild „Waldstück“, unbeantwortet. Das Spannungsverhältnis vom narrativen surrealem Bildinhalt und abstrakter künstlerischen Manier lässt somit den Freiraum für vielfältige eigene Interpretationen. Die Reise beginnt im Auge des Betrachters.

Vernissage: 23.10.2015 ab 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 24.10.2015 - 23.11.2015



Invitation PDF

Gallery

Vogelkind

, 150 x 160 cm, 2010, Mixmedia auf Papier

Waldstück

, 150 x 160 cm, 2015, Mixmedia auf Papier

Kinderspiel

, 150 x 160 cm, 2010, Mixmedia auf Papier
Konzeption & Design: German-Concept-Group