Ausstellungen | »Free Balance«

Free Balance

Slava, Seidel
Die Kunst Slava Seidels wird beherrscht von überwältigenden und dramatisch inszenierten Fantasiearchitekturen. Gemalt mit einer mit viel Wasser gemischten Sepiatinte ist Slava Seidels Malerei ebenso impulsiv wie glühend transparent. In ihren bizarren Architekturräumen verströmt sie eine beinahe explosive Dynamik, die den Betrachter in schwindelerregende, labyrinthisch verworrene Raumfluchten zieht. In der Verschachtelung verschiedener Rauman-sichten entwickelt der Raum immer wieder neue Seinsformen, in denen sich einzelne Gegen-stände verselbständigen und aus denen Tiere und Menschen auf unerklärliche Weise auf-tauchen und den Raum bevölkern. Eine verkehrte Welt, in der das Unmögliche möglich wird…
…So lösen sich Geparden, Hirsche und Hasen von der Wand eines festlichen Barocksaals, galoppieren ungebändigt im atemberaubenden Tempo durch den Bildraum und stürmen direkt auf den Betrachter zu; eine Armee aus Zinnsoldaten taucht sukzessiv aus dem gläsern erscheinenden Boden eines Marktplatzes auf und defiliert munter musizierend vor den Augen des Betrachters; ein kompli-ziert gebauter Dodekaederstern schwebt wie ein UFO aus einem Science-Fiction-Film über eine lange, mit einem weißen Tischtuch gedeckte Tafel…

Immer erscheint in der Malerei Slava Seidels alles wie in einem Traum oder einer Vision. Diese aus dem Unterbewussten genährten surrealen und illusionistischen Fantasien visualisiert die Künstlerin dabei durch einen virtuosen Umgang mit dem Raum und seinen perspektivischen Konstruktionen, deren Raumkomposition und dramatische Lichtregie an die »Carceri«-Folge des italienischen Barock-künstlers Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) erinnert. In einem kühnen Spiel mit der Perspektive inszeniert Slava Seidel die Bildszene oftmals aus der Froschperspektive oder sie führt den Betrachter wie durch ein Fischaugenobjektiv ins Bild. Ihre Räume – wie Schlossbauten mit hohen Kuppel-gewölben, weite Theatersäle und Arenen – sind verzerrt. Mit starken Raumkrümmungen und mit in weite Ferne zielenden Raumfluchten zieht Slava Seidel den Blick in schwindelerregende Tiefe bzw. Höhe. Oftmals vertauscht sie oben und unten und staffelt verschiedene Raumansichten ineinander, so dass jegliche gewohnte Orientierung aufgelöst wird.
Slava Seidel materialisiert mit diesen künstlerischen Strategien eine virtuelle Bildwelt, in der Zeit und Raum eine absurde Verbindung eingehen, in der aber auch der frische und ironische Spielwitz der Künstlerin unverkennbar zu Tage tritt und den Betrachter immer wieder erneut mit ihren unkonven-tionellen Bildkonzepten überrascht.



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Gallery

Engaging Types II

, 180 x 200 cm, 2009, Sepiatusche auf Leinwand

Corpus Callosum II

, 130 x 150 cm, 2011, Sepiatusche auf Leinwand

Freebalancer

, 130 x 150 cm, 2009, Sepiatusche auf Leinwand
Konzeption & Design: German-Concept-Group