Ausstellungen | »Die Türme von Babylon«

Die Türme von Babylon

Zmanowskaja, Galina
Die Kunst Ziusutras ist durchdrungen von einer tief empfundenen Liebe zu ihrer Malerei. Ihre Werke atmen ihren Geist und kaum sonst lebt ein Künstler in einem solchen Maß mit und durch seine Malerei wie es in den Werken Ziusutras spürbar wird. Wie eine Sinfonie aus Farben klingen ihre Bildgewordenen Visionen, in denen die Künstlerin Figuren aus den Legenden und Sagen längst vergangener Kulturen und aus dem Alten Testament Leben einhaucht. Einge-bettet in phantastische Welten erzählen sie uns von den wundersamen Mythen der Antike.

Ziusutra, die 1955 in Tjumen (UdSSR) unter dem Namen Galina Zmanovskaja geboren wurde, wählte 2009 diesen Künstlernamen, mit dem sie sich auf den letzten in der sumerischen Königsliste ver-zeichneten »Göttlichen König« bezog. Sehr bewusst bezieht sie sich damit auf diese frühen Kultur-landschaften, aus denen die Geschichten stammen, die für ihre Kunst von so großer Bedeutung sind.

Gleich den »Türmen von Babylon« türmen sich die verschiedenen Elemente in ihren Bildern zu traumhaften Gebilden auf. Dabei werden abstrakte und gegenständliche Motive zu einem vielschichti-gen Kompositionssystem zusammengesetzt. Der Bildraum wird in verschiedene Blickachsen zerplittert und diese ineinander verschachtelt. Die einzelnen Figurengruppen überschneiden sich gegenseitig oder sie verbinden sich mit fragmentarisch zergliederten Architekturelementen. All dieses erzeugt zu-sammen mit den Schichtweise übereinander und mit unterschiedlicher Deckkraft aufgetragenen Far-ben die kristalline Transparenz ihrer metaphysischen Welt.

In diesen fast kubistisch zergliederten, mehransichtigen Bildräumen erscheint ein Figurentypus, der den Bildern Botticellis oder Ghirlandaios entsprungen sein könnte. Lange, schlanke Gesichter mit ho-her Stirn und feine, langgliedrige Hände heben sich klar von ihrer Umgebung ab. Oft sind die meist weiblichen Figuren spiral- oder kreisförmig angeordnet. Dadurch erhalten sie einen schwebenden Charakter. Auch unterscheiden sie sich durch starke Größenunterschiede. Ihre Gestik ist immer be-deutungsvoll und dennoch werden sie von einer geheimnisvollen Aura umgeben. Die Farben funkeln wie kostbare Edelsteine und tauchen das Dargestellte in eine überirdische Sakralität, deren Wirkung mittelalterlichen Glasfenstern ebenso wie den Bildwelten der Ikonenmalerei gleicht.

Mit ihren virtuos eingesetzten Bildmitteln schafft Ziusutra ein Kompositionsgefüge, das in seiner Ge-geneinanderstellung von konvexen und konkaven, eckigen und runden Formen eine fein durchdachte ornamentale Struktur bildet, in der die gegenständlichen Motive untrennbar verwoben sind. Auf diese Weise setzt die Künstlerin auch die menschlichen Figurengruppen miteinander in Beziehung. Die gro-ße Form bzw. Figur birgt die kleinere in sich und wird so zur Metapher von Schutz und Fürsorge.

Ziusutra richtet in ihrer Kunst den Blick liebevoll auf den Menschen. Im Angesicht der stoi-schen Ruhe und der scheinbaren Unverletzbarkeit ihrer antiken »Helden« und geistigen Wesen verlieren die Sehnsüchte und Ängste der Menschen oder deren Isolation inmitten unserer Kon-sumgesellschaft ihre Bedrohlichkeit und werden bedeutungslos. Tröstend und zugleich heil-sam betrachten uns die Figuren aus ihrem märchenhaften Kosmos und vermitteln uns ein un-erschütterliches Gefühl der Geborgenheit.

Gallery

Der fliegende Holländer

, 60 x 60 cm, 2009, Öl auf Leinwand

Einheit

, 130 x 170 cm, 2009, Öl auf Leinwand

Der Turm der Frauen

, 80 x 80 cm, 2009, Öl auf Leinwand

Das Gewicht des Apfels

, 100 x 80 cm, 2009, Öl auf Leinwand

Jeder hat sein eigenes Kreuz zu tragen

, 70 x 70 cm, 2009, Öl auf Leinwand

Die Hängenden Gärten zu Babylon

, 90 x 70 cm, 2008, Öl auf Leinwand
Konzeption & Design: Mitja Eichhorn