Ausstellungen | »Lost in Translation«

Lost in Translation

Cho, Jun Ho
Wie in dem preisgekrönten Film »Lost in Translation« wird die Kunst der beiden jungen Künstler Qi- Wei Zhang und Jun Ho Cho von dem Phänomen der Losgelöstheit, dem schon-weg- aber noch-nicht- hier-Gefühl, durchweht. Durch die eingenommene Perspektive und die Sichtweise auf die Menschen und ihre Zivilisation führen uns die Künstler in ihre, auf uns fremdartig und rätselhaft wirkende Welt des Fernen Ostens. Trotz der Berührung mit westlichen Traditionen werden die Kulturen des »Reichs der Mitte« und Koreas spürbar und üben ihre ganze Faszination auf uns aus.

Beide Künstler konzentrieren sich stark auf die Darstellung des Menschen. Mit hohem malerischem Können rücken sie die Porträtierten ins Zentrum ihres Schaffens. Eindringlich und mit hoher Präsenz treten die abgebildeten Personen dem Betrachter gegenüber. Dabei suchen sie häufig den direkten Blickkontakt, indem sie frontal und direkt dem fiktiven Betrachter in die Augen schauen.

QiWei Zhang wurde 1979 in Shanghai (China) geboren und studiert seit seinem Umzug 2001 nach Deutschland an den Akademien in Bremen und Münster. Die aktuellen Fragen der Globalisierung und die damit verbundene Desorientierung und Identitätssuche fließen sehr subtil in die Porträts seiner Menschen ein. Diese sensiblen Seelenbildnisse gelingen ihm auch deshalb so gut, weil die Porträtier- ten bei dem Künstler Modell sitzen. So wird neben dem künstlerischen auch ein persönliches Interesse an dem dargestellten Menschen spürbar. Dies wird in einem Porträtzyklus von 2007 besonders deut- lich. Im bildfüllendem Format erscheinen die Gesichter ehemaliger Studienkollegen; erst sind es die europäischen, später die chinesischen Freunde. Die nahezu fotorealistische Darstellung bekommt aber hier und da Risse und gibt Einblick in eine andere, tiefer liegende Ebene vom abgebildeten Freund.
In seiner neusten Serie mit dem Titel »Buntes Leben« zoomt der Künstler die Personen noch stärker heran. Die Augen sind geschlossen, als kehre der Porträtierte seinen Blick nach innen. Das Gesicht selbst ist in ein vielfarbiges Lichtspiel getaucht, das eine friedliche und stark poetische Wirkung er- zeugt. Mit dieser Verbindung aus Abstraktion und Gegenständlichkeit entsteht eine Spannung, die zwi- schen dem malerisch-ornamentalen Farbexperiment und der Frage changiert, ob das Farbspiel ein Spiegel seelischer Zustände ist oder der farbige Widerschein der Neonreklamen der großen Metropo- len unserer kosmopoliten Welt.

Der 1975 in Pusan (Korea) geborene Jun Ho Cho studiert seit 2004 an der hiesigen Kunstakademie. Der Künstler wählt einen größeren Abstand zum Abgebildeten. Seine Porträtierten sind häufig in der Gesamtansicht oder zumindest als Halbfigur ausgeführt. Dabei erscheinen sie auf einem diffusen Hin- tergrund, der aus hellen, transparenten Farben besteht. Durch Aufhellungen in Weiß entsteht ein duf- tiger malerischer Eindruck. Hinzu kommt oft eine verschwommene Maltechnik, die wie mit einem Weichzeichner ausgeführt ist, wodurch eine gewisse Unschärfe erzeugt wird. Der Dargestellte präsen- tiert sich in Posen, die er für den Künstler einnimmt. Es handelt sich nicht um eine zufällig eingenom- mene Position, sondern um eine bewusst gewählte, inszenierte Haltung. Die Gesichter starren einen meist mit aufgerissenen Augen an: mal verwundert, überrascht, mal verzagt, ängstlich und mit leicht weinerlichen Unterton, mal verschmitzt und mal anklagend. Der Blick sucht die direkte, bisweilen pro- vokative Konfrontation mit dem Betrachter und erzeugt gleichzeitig einen befremdlichen Eindruck. Die Dargestellten bleiben einem eigenartig distanziert und berühren zugleich. Es scheint als ob der Porträ- tierte durch die eingenommene Pose eine Barriere aufbaut, mit der er sich vor allem Fremden zu schützen sucht. Dennoch scheinen durch diese Haltung seine eigene Befindlichkeit und seine eigenen Ängste durch.

QiWei Zhang und Jun Ho Cho präsentieren zwei spannende Positionen in dem Geflecht aus Kultur und ihren zivilisatorischen Zwängen, aus Tradition und Moderne – oder anders gesagt: der Mensch im Ir- gendwo der Kulturen, im »Lost in Translation«.



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Gallery

Der Vater

Cho, Jun Ho, 150 x 100 cm, 2009, Acryl auf Leinwand

Buntes Leben Triptychon

, je 130 x 60 cm, 2009, Öl auf Leinwand

Girl

Cho, Jun Ho, 150 x 100 cm, 2009, Acryl auf Leinwand

Buntes Leben No. 1

, 110 x 80 cm, 2009, Öl auf Leinwand

Mann mit Tattoo

Cho, Jun Ho, 100 x 70 cm, 2008, Acryl auf Leinwand

Buntes Leben No. 8

, 80 x 110 cm, 2009, Öl auf Leinwand
Konzeption & Design: German-Concept-Group